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besser als schleifen

Schleifen · Grundlagen

Woran man gutes Schleifmittel erkennt

Billig oder teuer: was sich bei Schleifpapier belegen lässt, was nur Herstellerversprechen sind und wie wir die Frage selbst messen wollen.

Unsere These lautet: Am Schleifmittel wird gespart, und das kostet am Ende mehr. Wir haben nachgesehen, was sich dazu belegen lässt. Die ehrliche Antwort: weniger, als man denkt.

Was belegt ist

Gleiche Angaben heißen nicht gleiche Leistung. In einem slowakischen Versuch liefen zwei Schleifbänder mit praktisch identischen Angaben acht Stunden auf Buche: P80, Korund, Gewebe, dichte Streuung. Das eine Band schaffte nur 65 Prozent des Abtrags des anderen. Preise nennt die Studie nicht.

Ein Blatt wird nicht gleichmäßig stumpf. Am Anfang fällt der Abtrag steil ab, weil scharfe Kornspitzen brechen. Dann folgt eine lange Phase gleichmäßiger Arbeit, am Ende wird das Blatt stumpf. Bei Eiche sank der Abtrag in allen Schleifrichtungen unter die Hälfte des Anfangswerts.

Zusetzen frisst die Standzeit. Je mehr Späne und Fasern zwischen den Körnern sitzen, desto weniger trägt das Blatt ab. Viel Druck und grobe Arbeit beschleunigen das.

Schleifen wird unterschätzt. Schon 1999 schrieben Forscher über die Möbelindustrie, dass Schleifen weniger Aufmerksamkeit bekommt, als es verdient, und falsch gewählte Schleifmittel viel Produktivität kosten.

Was nicht belegt ist

  • Wir haben keine Studie ohne Herstellerbeteiligung gefunden, die billiges und teures Schleifpapier mit Preis vergleicht.
  • Es gibt keine Zahl dazu, welchen Anteil das Schleifmittel an den Kosten eines Handwerkerauftrags hat.
  • Es gibt keine Erhebung darüber, was Handwerker und Heimwerker über Schleifmittel wissen oder wie sie kaufen.

Aussagen wie „hält dreimal so lange“ stammen von Herstellern. Wir zeigen sie auf den Seiten der Linien, aber als das, was sie sind: Versprechen.

Was dagegen spricht

  • In einem Versuch mit Fichte hing die Anfangshaftung eines Wasserlacks nicht von der Körnung ab. Eine glattere Fläche bedeutet nicht automatisch besseren Halt.
  • Wie schnell geschliffen wird, hängt vor allem von der Holzart ab, erst danach von der Körnung. Eiche und Buche brauchten bis zu 2,4-mal so lange wie Nadelholz.
  • Für normales Schleifpapier gibt es keine eigene Sicherheitsnorm. Die EN 13743 gilt für Fächer- und Fiberscheiben, nicht für Bögen, Klettscheiben und Bänder. Das Argument „Billigware ist gefährlich“ trägt beim Papier also kaum.
  • Nach Deutschland kommt nur ein kleiner Teil des Papierschleifmittels direkt aus China, 2024 waren es knapp 5 Prozent des Einfuhrwerts. Der Großteil stammt aus Werken in der Schweiz, Österreich, Tschechien, Kanada und den USA. EU-weit sieht es anders aus: Dort kam fast die Hälfte der Einfuhren von außerhalb der EU aus China, zu einem deutlich niedrigeren Kilopreis. Der Kilopreis sagt aber nichts über die Qualität.

Woran du trotzdem Qualität erkennst

Ohne Messgerät bleiben vier Merkmale, die auf der Packung stehen:

  1. Die Körnung trägt ein P. Dann gilt die europäische Norm.
  2. Das Korn ist benannt. Korund, Keramik oder Siliziumcarbid. Steht da nur „Schleifkorn“, weißt du nichts.
  3. Die Unterlage passt zur Arbeit. Für den Exzenter mit Absaugung sind Netz oder Folie oft länger frei, für den Handschliff reicht Papier.
  4. Das Lochbild passt zum Teller. Sonst saugt die Maschine kaum ab, und das Blatt setzt zu.

Und ein Merkmal, das du selbst siehst: Wenn das Blatt glänzt und warm wird, statt Staub zu machen, ist es durch. Weiterschleifen kostet dann nur Zeit.

Wir messen nach

Weil es keine Studie ohne Herstellerbeteiligung gibt, machen wir selbst eine. Geplant ist ein Vergleich in unserer Tischlerei: dieselbe Maschine, derselbe Anpressdruck, Eiche, Kiefer und lackierte Platten. Geschliffen werden Discounterware, Importware aus dem Versandhandel, Mittelklasse, Spitzenlinien mit Korund und Keramik sowie ein Netz. Jede Scheibe läuft in festen Intervallen, bis sie nur noch ein Drittel des Anfangsabtrags schafft. Wir wiegen den Abtrag, messen die Rauheit und rechnen die Kosten pro Quadratmeter aus, einmal nur Material und einmal mit Arbeitszeit. Das Ergebnis veröffentlichen wir auch dann, wenn die billige Scheibe gut abschneidet.

Stand:

Belege und Quellen

  1. StudieEfficiency of Sanding Belts for Beech and Oak Sanding, Očkajová u. a., BioResources 2016
  2. StudieThe productivity imperatives in coated abrasives – Application in furniture manufacturing, Ratnasingam u. a., Holz als Roh- und Werkstoff 1999
  3. StudieControl system evaluation and implementation for the abrasive machining process on wood, Saloni u. a., BioResources 2011
  4. StudieEfficiency of Machine Sanding of Wood, Sydor u. a., Applied Sciences 2021
  5. StudieImproving the Sanding Process of Black Spruce Wood for Surface Quality and Water-Based Coating Adhesion, Cool und Hernández, Forest Products Journal 2011
  6. NormEN 13743:2017 Sicherheitsanforderungen an Schleifmittel auf Unterlagen, CEN
  7. InstitutionAußenhandelsstatistik, Warennummer HS 6805 20 (Schleifmittel auf Papier), Berichtsjahr 2024, Vereinte Nationen, UN Comtrade