Schleifen · Grundlagen
So ist ein Schleifmittel aufgebaut
Unterlage, Binder, Korn: woraus Schleifpapier besteht, welche Kornarten es gibt und welche Begriffe nur Herstellersprache sind.
Ein Schleifblatt sieht simpel aus. Es besteht aber aus vier Schichten, und jede entscheidet mit, wie lange es schneidet.
Die vier Schichten
- Unterlage. Sie trägt alles. Der europäische Herstellerverband FEPA nennt Papier, Gewebe, Papier-Gewebe-Verbund, Polyesterfolie und Vulkanfiber.
- Grundbinder. Ein erster Harzauftrag, in den das Korn fällt.
- Schleifkorn. Es wird elektrostatisch aufgebracht und stellt sich dabei mit der Spitze nach oben.
- Deckbinder. Ein zweiter Harzauftrag hält das Korn fest. Danach härtet die Bahn im Ofen aus und wird zu Scheiben, Bögen, Rollen oder Bändern geschnitten.
Die Kornarten
- Korund (Aluminiumoxid) ist das Standardkorn für Holz, Lack und Metall.
- Siliziumcarbid ist härter und spröder. Es kommt beim Lack- und Steinschliff zum Einsatz. Auf Ahornholz hinterließ es in einem Versuch glattere Flächen als Korund, die Korundflächen ließen sich dafür besser benetzen.
- Zirkonkorund ist zäh und für hohen Druck gemacht, etwa beim Bandschleifen von Metall.
- Keramikkorn (Sinterkorund) besteht aus sehr feinen Kristallen. Beim Schleifen brechen nur kleine Stücke ab, das Korn schärft sich dadurch selbst nach. Die Forschung dazu stammt aus der Metallbearbeitung. Für Holz und Lack haben wir keinen Vergleich gefunden, der nicht vom Hersteller kommt.
Für Arbeiten an Putz, Beton und Spachtel verlangt die TRGS 559 Schleifmittel ohne kristallines Siliziumdioxid. Korund und Siliziumcarbid erfüllen das, Flint- oder Quarzpapier nicht.
Begriffe aus der Herstellersprache
Einige Begriffe liest man auf jeder Packung. Eine Norm oder Studie, die sie festlegt, haben wir nicht gefunden. Sie sind trotzdem nützlich, wenn man weiß, was gemeint ist:
- Streuung: Wie dicht das Korn sitzt. Offene Streuung lässt Platz für Späne und setzt weniger zu, geschlossene schleift feiner und trägt mehr ab.
- Papiergewicht: Die Buchstaben A bis F stehen für dünnes bis kräftiges Papier. Dünnes Papier ist biegsam, kräftiges reißt weniger.
- Stearat: Eine Beschichtung, meist Zinkstearat, gegen das Zusetzen beim Lack- und Spachtelschliff.
- Netz: Statt Papier ein Gewebe mit offenen Maschen, durch die der Staub abgesaugt wird.
Was diese Merkmale in der Praxis bringen, sagen bisher vor allem die Hersteller. Wir wollen es in einer eigenen Testreihe nachmessen.
Stand:
Belege und Quellen
- InstitutionAbrasives: how they are made, FEPA, Verband der europäischen Schleifmittelhersteller
- InstitutionHäufige Fragen zu Schleifmitteln, oSa, Organisation for the Safety of Abrasives
- InstitutionTRGS 559 Quarzhaltiger Staub, BAuA, Ausschuss für Gefahrstoffe
- StudieState of the art in production, properties and applications of the microcrystalline sintered corundum abrasive grains, Nadolny, Int J Adv Manuf Technol 2014
- StudieEffects of abrasive mineral, grit size and feed speed on the quality of sanded surfaces of sugar maple wood, de Moura und Hernández, Wood Science and Technology 2006